Neun Monate Hoffnung …

In der Bruchsaler Luthergemeinde werden Andachten für Schwangere gefeiert

Quelle: Jutta Wieland / Pixelio.de

Ihre dritte Schwangerschaft ging Monika Sigmund zunächst gelassen und zuversichtlich an. Die Angst kam im 8. Monat, als der Arzt ihr sagte, das Baby müsse per Kaiserschnitt entbunden werden. „So große Sorgen kannte ich von meinen ersten Schwangerschaften nicht“, erinnert sich die heute 39-Jährige. In den nun folgenden Wochen konnte sie kaum noch an etwas anderes denken, als an die Risiken der Geburt: Jeder wollte ihr ratend zur Seite stehen, „und mit jedem gut gemeinten Ratschlag wurde ich nur noch unsicherer. Nachts träumte ich, dass mir bei der OP etwas passieren würde …“

In dieser Situation stieß Monika Sigmund vor rund eineinhalb Jahren im Bruchsaler Kindergarten auf einen Flyer der Luthergemeinde, der Schwangere und deren Familien erstmals zu einer besonderen Andacht nebst Segnung einlud: „Von Mutterleibe an“ ist ein Projekt von Pfarrerin Tanja Dittmar und der Hebamme Ina Hecht, Vorsitzende des Ältestenkreises der Gemeinde. „Egal, zu wie vielen Vorsorgeuntersuchungen man während der Schwangerschaft geht, ein Rest Angst bleibt immer“, weiß Ina Hecht, die jedes Jahr etwa 50 Frauen begleitet. In einer anderen Gemeinde hatte sie von einem Andachtsangebot speziell für Schwangere gehört; sie und die Pfarrerin fanden die Idee toll: „Ich hatte selbst einen Fehlbildungsultraschall in der 18. Schwangerschaftswoche und war sehr verunsichert“, berichtet Tanja Dittmar, die seit eineinhalb Jahren Mutter einer gesunden Tochter ist. „Ich dachte, wenn man mich schon so leicht verunsichern kann – wie müssen sich da erst andere Frauen fühlen, die vielleicht nicht dasselbe Gottvertrauen haben, das sie im Alltag trägt.“ 

Aus Gottes Kraft eigene Stärke gewinnen
Bei den Andachten herrscht eine ruhige und sanfte Atmosphäre: Im gemütlichen Nebenraum der Lutherkirche wird zu leiser Gitarrenmusik gesungen und gebetet, viele Kerzen spenden warmes Licht. Der Andachtstext thematisiert stets das Thema Schwangerschaft, das einem in der Bibel häufig und in Gestalt vieler ganz unterschiedlicher Frauen begegnet. „Im Ablegen eines Steines kann dann jede Frau symbolisch auch ihre Sorgen vor Gott ablegen“, beschreibt die Pfarrerin das Konzept. Zum Abschluss erhalte jede Teilnehmerin ein Kärtchen mit einer biblischen Zusage für Zuversicht und Hoffnung. Manche Frauen brächten ihre Ehemänner mit, manche werden von ihrer Mutter begleitet. „Einmal kam aus Speyer sogar eine ganze Familie: Papa, Mama, Oma und Opa.“ 

Auch die 33-jährige Silvia Feldmann nahm gemeinsam mit ihrer Mutter an der Schwangerenandacht teil: „Ich bin sowieso eher ein ängstlicher Mensch und hatte große Angst vor der Geburt meines ersten Kindes“, erinnert sie sich. „Da hatte meine Mama die Idee, diese besondere Andacht zu besuchen.“ Obwohl sie nicht regelmäßig in die Kirche gehe, haben die Worte der Pfarrerin sie in ihrem Glauben gestärkt und ihr die Hoffnung gegeben, „dass alles gut wird“.
Das habe Schwangerschaft mit dem Christsein gemeinsam, findet Tanja Dittmar: „Keine Untersuchung kann einem wirklich Gewissheit geben – man kann neun Monate lang eben ,nur’ glauben und hoffen.“

„Nach diesem Abend war ich viel entspannter und vertraute einfach darauf, bei Gott gut aufgehoben zu sein“, beschreibt es auch Monika Sigmund. Für sie und ihren Mann sei es außerdem eine schöne Erfahrung gewesen, die Andacht gemeinsam zu erleben.
„Während einer Schwangerschaft ist man manchmal nicht so stark wie sonst“, sagt die dreifache Mutter. „Aber der Segnungsabend hat mir Kraft gegeben.“ 

Infos
Alle, die teilnehmen möchten, sind herzlich eingeladen. Kontakt: Pfrin Tanja Dittmar, Telefon 07251 2004, luthergemeinde[at]ekibru[dot]de
 
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