Die Frohe Botschaft hören

Akustik-Projekt soll Hörgeschädigten die aktive Teilnahme am Gottesdienst ermöglichen

Quelle: Foto: Phonak GmbH

Verkündigung, die frohe Botschaft, Kirchenmusik: Mehr als sonst eine Institution lebt die Kirche von akustischer Kommunikation, vom gesprochenen und gesungenen Wort – und davon, dass dieses auch vernommen wird. Ausgerechnet in Kirchenräumen haben jedoch viele Menschen große Probleme damit, Laute und Klänge gut zu hören.

Rund 15 Millionen Deutsche sind in ihrem Gehör beeinträchtigt. Akustische Herausforderungen wie eine große Distanz zum Sprecher, starker Hall und zahlreiche Nebengeräusche aufgrund der vielen Umsitzenden erschweren es oft schon gut Hörenden, einer Predigt zu folgen oder gemeinsam zu beten. Wer aber schlecht hört oder eine Hörhilfe trägt, versteht dann oftmals gar nichts mehr.

In der Karlsruher Christuskirche startet deshalb dieser Tage ein besonderes Projekt in Kooperation mit dem Haus des Hörens Anke Bünting-Walter GmbH. Nur durch Kommunikation entsteht Gemeinschaft „Kirchen sind auch soziale Treffpunkte“, schildert Anke Bünting- Walter, Meisterin für Hörgeräte-Akustik, ihre Motivation. „Nur wenn die Kommunikation funktioniert, kann ein Gemeinschaftsgefühl entstehen und können die Menschen sich dort wohlfühlen.“ In der Christuskirche soll deshalb künftig eine spezielle Funkanlage für ein rundum deutliches Hörerlebnis sorgen.

„Der Sender kann an die bestehende Lautsprecheranlage angeschlossen werden“, erklärt die auf Funk spezialisierte Johanna Schmid die Funktionsweise. Der oder die Sprechende trägt einen kleinen Sender. „Gottesdienstbesucher, die schlecht hören oder eine Hörhilfe tragen, erhalten einen Empfänger, der die akustischen Signale der Sprechenden direkt ins Hörgerät übermittelt.“ Störende Nebengeräusche werden dabei gemindert und auch wenn der Sprecher der Gemeinde den Rücken zuwendet oder wenn man nur einen weit entfernten Sitzplatz erwischt hat, ist der Empfang klar und deutlich.

„Probleme habe ich vor allem dann, wenn der Sprecher undeutlich redet oder sich mal vom Mikrofon abwendet“, beschreibt es Hildegard Löhr. Sie und ihr Mann Gerhard besuchen regelmäßig Gottesdienste und Konzerte in der Karlsruher Christuskirche; beide tragen seit mehreren Jahren Hörhilfen. „Mit dem Empfänger im Ohr habe ich seit Langem mal wieder jedes Wort verstanden“, freut sich Gerhard Löhr, der in ökumenischer Verbundenheit als Katholik auch ehrenamtlich in der Gemeinde tätig ist, „sehr klar und deutlich und egal, an welcher Stelle in der Kirche ich gestanden habe.“

Besonders für Hörgeräte-Träger ist die Funkanlage ein Segen, aber auch Menschen, die ein Hördefizit haben, aber kein Hörgerät tragen, profitieren davon. Gutes Hören als Voraussetzung zur aktiven Teilnahme am Leben ist Anke Bünting- Walters Anliegen. Seit Jahren engagiert sie sich deshalb für das gute Hören in Museen, großen Firmen und öffentlichen Einrichtungen mit außergewöhnlichen akustischen Situationen. „In unserer Gemeinde gibt es viele Mitglieder mit Hörproblemen“, so Pfarrerin Gabriele Hug von der Karlsruher Südstadtpfarrei.

Das Angebot der Akustikerinnen stieß deshalb sowohl bei ihr, als auch im Seniorenkreis sofort auf Interesse. Mit mehreren Tausend Euro ist die Anschaffung zwar nicht eben billig. „Aber wenn man Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen kann, indem man ihnen die Beteiligung an den Veranstaltungen ermöglicht, die sie interessieren, lohnt sich diese Investition allemal“, findet Gabriele Hug.

Die Hörgeräteträger/- innen liegen auch Anke Bünting-Walter besonders am Herzen, denn „nichts ist frustrierender, als sich endlich zu einer Hörhilfe durchgerungen zu haben und dann festzustellen, dass ich in bestimmten Situationen doch wieder nichts verstehe und ausgeschlossen bin.“ Auch die Arbeit in der Gemeinde könne nur erfolgreich sein, wenn die Menschen „zuhören“ könnten. „Nur wenn man dem Gottesdienst folgen kann, kann man ihn auch verstehen, mitsprechen und sich mit Freude selbst daran beteiligen.“

 

 

Autor / Autorin
Judith Weidermann
Redakteurin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit (ZfK)

 
Chrismon.de - das evangelische Online-Magazin

chrismon ist ein geist-reiches und begeisterndes evangelisches Magazin.
Es verbindet theologische Perspektiven mit wichtigen Lebensthemen und erzählt über bemerkenswerte Aktivitäten unserer Kirche. Leserinnen und Lesern werden durch chrismon neue Zugänge eröffnet, über das Wirken des Heiligen Geistes in unserer Zeit nachzusinnen.