Virtueller Wind in der Evangelischen Akademie

Studienleiter Gernot Meier organisiert interaktive Tagungen

Quelle: Foto: Christine Jacob

Über den Bildschirm flimmert „Matrix“, Teil eins. Gernot Meiers braune Augen leuchten, als er dem Dialog zwischen Morpheus und Neo, den zentralen Figuren, lauscht. Übergänge zwischen multiplen Realitäten, virtuellen Welten und unterschiedlichen Identitäten, mit denen auch der Film spielt, faszinieren ihn. Auch als neuer Studienleiter der Evangelischen Akademie Baden wird er sich mit Themen des Cyberspace befassen, denn er betreut den Fachbereich „Wissenschaft, Kultur, Medien“. Was reizt ihn an den neuen Medien?

Neue Akzente in der Akademie

„Sie ermöglichen beispielsweise ‚zeitgleiche’ Kommunikationsformen, verbinden visuelle und auditive Medien und vermitteln so ein anderes Bild von der Welt“, sagt Meier. „Mit ihrer Hilfe können wir das Evangelium wie im Gottesdienst, in jeder Gruppe und an vielen Stellen der badischen Landeskirche in die Welt tragen – nur eben in einer deutlich anderen Form.“ Der 48-Jährige will die digitalen Medien nutzen, um die Marke „Evangelische Akademie Baden“ in der Öffentlichkeit bekannter und die Akademiethemen auf vielen Kanälen präsenter zu machen. Neben den klassischen Tagungsformaten plant er Veranstaltungen mit interaktivem Charakter („speed labs“) und Online-Zuschaltungen von Referenten/-innen und Teilnehmenden über Skype, um so eine aktive Beteiligung auch aus der Ferne zu ermöglichen. Möglichst parallel sollen die Veranstaltungen als Videos online abrufbar sein. Seine Akademie-Veranstaltungen möchte der Religionswissenschaftler und Theologe mit seiner Lehrtätigkeit an der Heidelberger Universität verzahnen. Theologiestudenten und Studierende der Kulturwissenschaften sollen stärker in die Vorbereitung und Durchführung der Tagungen einbezogen werden.

Religiöse Vielfalt wertschätzen

Neben seiner Tätigkeit als Studienleiter ist Gernot Meier Landeskirchlicher Beauftragter für Weltanschauungsfragen. Anfragen zu religiösen Gruppen aber auch persönliche Glaubensfragen nimmt Meier sehr ernst und versucht, sie mit pädagogischer Offenheit, theologischer Klarheit und wissenschaftlicher Präzision zu beantworten. Grundlage für seine Auskünfte ist seine Überzeugung, dass „Religiosität heute nicht mehr nur in den klassischen Formen einer Religion oder Konfession abgebildet werden kann“. Für diese Entwicklung, die wir seiner Meinung nach wertschätzen sollten, seien ebenfalls die neuen Kommunikationsmittel mitverantwortlich. „Sie befördern“, erläutert Meier, „eine größere Dynamik zwischen institutioneller und individueller Religiosität, in der eine eindeutige religiöse Festlegung kaum noch eine Rolle spielt.“

Mangas, Mode und Motorrad

Gernot Meier ist viel unterwegs. Und das nie ohne iPad, iPhone und bunten Trolley. Er bezeichnet sich selbst als „Grenzgänger“. Sein Wohnort Riegel liegt nicht weit von Frankreich und der Schweiz entfernt, seine Muttersprache, meint er ganz im  Ernst, ist Alemannisch. Er spricht etwas Französisch, liebt die französischen Philosophen, (nicht gestopfte) foie gras und einen Crémant d´Alsace. Seine Predigten schreibt er am liebsten auf seinem MacBook in einem Straßburger Café. Aber auch in seinem Denken begibt sich Meier gern auf Reisen. Seit seiner Diplomarbeit über Søren Kierkegaard begleiten ihn die Vorstellungen des dänischen Philosophen. Zurzeit arbeitet er viel mit Ansätzen von Piere Bourdieu, dessen wissenschaftliche Strenge er liebt. Auch seine beruflichen Ausflüge beweisen seine Wandlungsfähigkeit: Er arbeitete als Erlebnispädagoge und Unternehmensberater. In der Freizeit fährt der Südbadener gern Motorrad und Kajak. Ein ausgesprochenes Faible hat er für japanische Mangas und Mode. Natürlich spiegelt auch seine Kleidung seine Freude an der Abwechslung.Manchmal trägt er einen roten und einen blauen Schuh…

(Christine Jacob, ekiba intern)

Den Artikel über Gernot Meier finden Sie in ekiba intern Ausgabe 2/2012 - Die aktuellen Ausgaben finden Sie als pdf-Datei im Download-Bereich 

 

 
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